Properz
Jugend
Propertius wurde zwischen 54 und 43 in Umbrien, wahrscheinlich in Assisi, geboren. Er entstammte
einer ursprünglich wohlhabenden Plebejerfamilie, die jedoch ihr Vermögen verlor,
wahrscheinlich bei der Landverteilung durch Oktavian nach der Schlacht bei Philippi im
Jahre 41. Während seiner Kindheit starb sein Vater, und seine Mutter scheint mit ihm nach
Rom gezogen zu sein, wo er studieren konnte. Er ließ bald die rhetorische Ausbildung, die
ihn als Juristen zum Forum Romanum geführt hätte, auf sich beruhen, um sich ganz der
Poesie zu widmen: Studium und Nachahmung der hellenistischen Dichter, besonders des
Kallimachos und des Philetas von Kos.
Der Eros
Als junger Mann lernte er das Sklavenmädchen Lycinna kennen, das ihn in die Geheimnisse
der Liebe einweihte, und bald danach, im Alter von etwa 18 Jahren, diejenige Frau, die
seine einzige große Liebe blieb und der er wegen ihrer gemeinsamen musischen Interessen
den poetischen Namen Cynthia gab, nach dem Berg Kynthos auf der Insel Delos, der Geburts-
und Kultstätte des Gottes der Dichter, Apollo.
Mit ihr lebte er eine Reihe bewegter Jahre voller leidenschaftlicher Liebe, mit allen
Höhe- und Tiefpunkten, die eine solche Liebe mit sich bringt, die für zwei Menschen zum
Hauptlebensinhalt und zum Objekt all ihres Denkens und Fühlens wird. Er starb 16 oder 15
in Rom.
Werk
Seine Werke sind in der endgültigen Fassung in vier Büchern Carmina (22
+ 34 + 25 + 11) zu 92 Elegien herausgegeben worden, wobei das erste Buch
als Cynthia Monobiblos nach einer ersten vorübergehenden Trennung von Cynthia
herausgegeben worden war. Es brachte ihm schnellen Ruhm ein und v.a. die Aufnahme in den
Kreis des Maecenas, wo er Vergil kennenlernte und wohl auch
Horaz,
der aber offensichtlich ihn und seine Dichtung abgelehnt hat; mit
Ovid schien er schon vorher befreundet gewesen zu sein. In den späteren Büchern seiner
Elegien (besonders in Buch IV), die wohl erst postum publiziert wurden, wandte sich
Properz mehr und mehr von dem unmittelbaren Ausdruck der Liebe ab und literarischen und
patriotischen Themen zu.
Adepten der klassischen Philologie, die sich Properz demnächst möglicherweise
übersetzend und interpretierend zu nähern gedenken, sei folgendes in ihr Gebetsbuch,
soweit vorhanden, geschrieben: seine Elegien sind zutiefst subjektiv empfunden, die
Stimmungsskala kann innerhalb einer einzigen Elegie von "himmelhochjauchzend"
bis hin zu "zu Tode betrübt" reichen, da die Dame Cynthia einen etwas schwierig
zu handhabenden Charakter besaß - man wundere sich inhaltlich also am besten über gar
nichts!
Versmaß
Metrisch betrachtet besteht eine Elegie aus Distichen, ein Distichon aus je einem
Hexameter und je einem Pentameter, abwechselnd in stets nur dieser Reihenfolge: eine
Elegie hat also zwangsläufig eine gerade Anzahl von Versen. Der Hexammter bringt in der
Regel den Hauptgedanken, der Pentameter hat daher zumeist "nur" exegetischen
Charakter, d.h. er führt diesen Hauptgedanken des Hexameters variierend oder alternierend
weiter; das Ende eines Distichons ist meist auch das Ende eines Satzes, Satzgefüges oder
einer Satzreihe. Bei Properz kommt es jedoch häufiger vor als etwa in den Amores oder den
anderen Liebesdichtungen Ovids, daß ein Gedanke und auch ein Satzganzes über ein
Distichon hinausgreift - ein inhaltliches Enjambement also. Daneben ist für
die Dichtung des Properz von nicht zu unterschätzender Bedeutung, daß die
Gedankenführung dem Laufstil eines Hasens vergleichbar ist: man braucht also gute Nerven,
wenn man den Faden nicht verlieren will.
Das doctus-poeta-Prinzip
Auch führe man sich nochmals sehr gründlich die Funktion der mythologischen Beispiele
innerhalb einer Elegie vor Augen:
Bestätigung und Untermauerung der eigenen Aussage, Aufwertung der eigenen, als
minderwertig geltenden literarischen Gattung durch die Anleihe aus der am höchsten
eingeschätzten Gattung Epos, das "doctus-poeta-Prinzip" mit der Schaffung einer
sofortigen Identifikationsmöglichkeit mit dem Leser.
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