Ovid
Vita
P. Ovidius Naso (Naso = Gesichtszinken, Gurke, Riechorgan) wurde am 2o. 3. 43 v.Chr. in Sulmo im Pälignerland
östlich von Rom geboren. Er entstammte einer begüterten Ritterfamilie, wurde in Rom
erzogen und sollte nach seines Vaters Wunsch Jurist werden, weshalb er eine rhetorische
Ausbildung erhielt. Aber seine Neigung trieb ihn mit aller Macht zur Dichtkunst hin
(angeblich konnte er überhaupt nichts in Prosa schreiben, alles geriet ihm nach eigener
Aussage sofort zum Vers. Er reiste nach Kleinasien und Sizilien, studierte dann in Athen
und bekleidete später die niedrigen Ämter der römischen Laufbahn (cursus honorum).
Seine erste Dichtung machte ihn schon in früher Jugend ziemlich berühmt, sehr zum
Leidwesen des inzwischen (seit 27 v.Chr.) zu Augustus gewordenen Oktavian, dessen einzige
Tochter Julia die Liebesgedichte Ovids höchst genüsslich zu verschlingen pflegte.
Verbannung
Ovid war dreimal verheiratet, zweimal von kurzer Dauer, seine dritte Frau hingegen hielt
ihm sogar während seines Exils die Treue, und besaß aus der 3. Ehe eine Tochter. Im
Jahre 8 n.Chr wurde er aus nicht mehr exakt rekonstruierbaren Gründen von Augustus in die
Verbannung geschickt, und zwar nach Tomi am Schwarzen Meer (heute rumänische Küste), was
für einen stadtgewohnten Römer gleichbedeutend war mit dem Ende der Welt - er selbst
nennt dafür ein Gedicht und einen begangenen Fehler (s.o. Julia!) als Ursache. Bis dahin
war er befreundet gewesen mit
Horaz und
Properz. Auf den Tod des ersten großen Elegikers Tibull hatte
er eine ergreifende Elegie geschrieben. Mehreren Versuchen, mit Hilfe von Gnadengesuchen eine Aufhebung seiner
Verbannung zu bewirken, blieben zu Lebzeiten des Augustus (gestorben 14 n.Chr.) erfolglos,
erst recht unter dessen Nachfolger Tiberius (14-37 n.Chr.)), der Dichter als besseres
Fischfutter zu bezeichnen pflegte. Ovid starb im Jahre 18 in Tomi. Sein Werk ist ziemlich
umfangreich, seine Nachwirkungen auf die abendländische Kultur sind in Dichtung,
bildender Kunst und v.a. in der Musik kaum zu überschätzen.
Werke
Von den erhaltenen Werken sind mit einer Ausnahme alle im Versmaß des
elegischen Distichons geschrieben (vgl. mit
Properz !):
1. Amores ("Liebesgedichte")
Die ursprünglich fünf Bücher Liebesgedichte hat Ovid später in drei Bücher
zusammengezogen (15 + 19 + 15) zu insgesamt 49 Elegien - alle sind einer gewissen Dame der
römischen Halbwelt gewidmet, die unter dem Decknamen Corinna die weibliche Hauptrolle
spielt. Zusammengefasst ist zu den Amores noch zu sagen: alles geht viel spielerischer und
leichter vor sich als bei Properz und dessen Cynthia, Distichon ist Satz- und Sinneinheit,
die Themenvielfalt ist enorm, aber vieles wirkt dafür auch mehr gekünstelt, weil man oft
spürt, dass der Aussage nicht unbedingt auch ein wahres Erlebnis zugrundeliegt - immer im
Vergleich mit Properz.
2. Ars amandi ("Liebeskunst")
Der Dichter wird, ermutigt durch den Erfolg seiner Amores, zum Lehrmeister in allen
Liebeslagen.
3. Remedia amoris ("Heilmittel gegen die Liebe")
Auch das muß sein, wie kämen sonst einige von ihren Kletten los? Kontrast zu den Amores,
in denen es um die Tricks geht, wie man einen Partner bekommt.
4. Medicamina faciei ("Hilfsmittel für das Gesicht" =
"Schminktips vom Fachmann")
Ein Leitfaden für antike Kosmetik des Weiblichen Teints: auch heute noch in Einzelfällen
sehr empfehlenswert!
5. Heroides
Briefe verlassener Heroinen an ihre Auf-und-Davons, z.B. der Ariadne an Theseus, der Dido
an Aeneas, etc.
6. Fasti
Eine Beschreibung von Ursprung und Ablauf römischer Feste nach dem römischen Kalender.
Vollendet sind nur die Monate Januar bis Juni.
7. Metamorphosen
In Hexametern verfasstes Epos von 15 Büchern voller Verwandlungssagen - die Mythologie
lässt schön grüßen!
8. Tristia und Epistulae ex Ponto
Diese beiden Werke wurden in der Verbannung verfasst. Besonders aufschlussreich ist Ovids
Autobiographie Tristien IV,1o.
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