Horaz
Kurzvita
Quintus Horatius Flaccus (= Schlappohr) wurde am 8. 12. 65 v.Chr. in Venusia in Apulien geboren. Er genoss in seiner
Jugend eine sorgfältige Erziehung und Ausbildung, absolvierte mit Erfolg literarische und
philosophische Studien in Rom und in Athen und kämpfte im Alter von 23 Jahren bei
Philippi (42 v.Chr.) als Kommandeur einer Legion im Heere des Brutus gegen Antonius und
Oktavian. Dieser politische Irrtum bedeutete das Ende seiner steilen Karriere.
Die von den siegreichen Triumvirn des Jahres 43 gewährte Amnestie sicherte ihm eine
bescheidene Stellung als scriba quaestorius (Schreiber eines Quästoren) und schützte ihn
vor der ärgsten materiellen Not, bis er durch Vergil und Mäcenas, der ihm ein Landgut
schenkte, den Weg zu Augustus, dem früheren Oktavian, fand und durch dessen Förderung zu
einer bis zu seinem Tode am 27. 11. 8 v.Chr. (wahrscheinlich in Rom) der Literatur und
Philosophie gewidmeten Lebensform fand.
Hauptwerke
16 Epoden und vier Bücher Oden (Carmina)
Durch diese literarischen Werke wurde Horaz zum Inbegriff des lyrischen Dichters; jedes Gedicht kann
einem bestimmten thematischen Bereich zugeordnet werden: Stimmungsbilder, Liebesszenen,
Politische Lyrik, Landschaftsbeschreibungen und Personencharakteristiken. Kaum ein
römischer Dichter - der Elegiker
Properz ausgenommen - wurde von Goethe, Schiller, den Romantikern und
den französischen Dichtern wie Verleine, Baudelaire und anderen so sehr geschätzt wie
Horaz.
In seinen zwei Büchern Episteln (Briefe) erfährt der Kunstbrief an
tatsächliche oder fiktive Adressaten seine höchste Vollendung. Daneben hat Horaz eine
literarische Gattung zur Vollendung geführt, die als einzige kein griechisches Vorbild
hat, sondern eine genuin römische Erfindung ist, die Satire: in zwei Büchern (1o + 8)
hat er 18 Satiren (Sermones) verfasst, von deren
Perfektion spätere Generationen nur träumen konnten.
Die Satiren
1) sie sind samt und sonders in Hexametern verfasst.
2) trotz dieser äußerst kunstvollen Form enthalten sie eine Fülle umgangssprachlichen
Lateins - das Einfache wird hier mit dem Kunstvollen verbunden.
3) er nennt sie sermones (Gespräche), d.h. sie enthalten sehr viel gesprochenen Text mit
all seinen Besonderheiten.
4) ihr Hauptthema ist das Bloßlegen menschlicher Schwächen, wobei der Dichter sich
selbst, meist selbstironisch, mit einschließt.
5) der Hexameter enthält sehr häufig als syllaba anceps einsilbige Warte, in der
bekanntesten Satire 1, 9 genau 12 mal (Verse 1, 5, 16, 19, 38, 47, 49, 57, 62, 67, 69,
73). Außerdem gibt es nirgendwo sonst so viele kunstvolle Verschleifungen - dies wird
allgemein als eine Art Parodie auf das Epos, die eigentliche Gattung des Hexameters,
gewertet.
6) Für die Satire gilt dasselbe wie für die Elegie, was das mythologische Beispiel
(exemplum) betrifft, also: die Mythologie hat immer recht, die eigene Gattung wird
aufgewertet, das docta-poeta-Prinzip schafft eine leichtere Identifikationsmöglichkeit
mit dem Leser - jedoch wird vieles oft ironisiert und dadurch wieder ins Lächerliche
gezogen.
7) die Themen befassen sich nicht unbedingt mit dem aktuellen Tagesgeschehen, sondern mit
allgemein-menschlichen Problemen: die Lebenswelt ist die Großstadt. Immer kommt es Horaz
darauf an, ridens dicere verum, also 'lachend die Wahrheit zu sagen' - eine
Eigenschaft, die leider nicht alle Menschen besitzen!
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