C. Iulius Caesar
Herkunft und Lebensdaten
Caesar stammt aus dem römischen Adelsgeschlecht der gens
Iulia, die ihren Namen auf Iulus, den Sohn des römischen
Stammvaters Äneas, zurückführte. Äneas wiederum war der Sohn des Sterblichen Anchises
und der Göttin
Venus, so dass
die gens Iulia also indirekt in der Göttin Venus ihren Ursprung sah. Der berühmte
Staatsmann und Feldherr C. (Gaius) Iulius Caesar wurde am 13. Juli 100 v.Chr. geboren und
an den Iden des März (15. März) des Jahres 44 v.Chr. ermordet.
Politische Karriere
Als Mitglied einer Patrizierfamilie schlug Caesar nach einer rhetorischen Ausbildung und
Studien in den Rhetorenschulen auf Rhodos die politische Laufbahn ein, deren höchste
Machtstufe er im Jahre 59 mit dem Konsulat erreichte. Zusammen mit Pompeius,
an den er aus politischer Taktiererei seine Tochter Julia verheiratet hatte, und mit dem
sehr vermögenden Crassus beherrschte er unangefochten die politische
Szene in Rom. Das Geld des Crassus ermöglichte Caesar trotz immenser Schulden, die er
gemacht hatte, um das Volk durch prächtige Spiele und Geschenke auf seine Seite zu
bringen, die Weiterführung seiner politischen Karriere.
Gallien
Als Prokonsul erhielt Caesar nach seinem Konsulat die Provinzen Gallia
Cisalpina, Illyricum und Gallia Transalpina.
Von 58 bis 51 eroberte Caesar in blutigen Kämpfen, in denen nicht selten sein genialer
Unterfeldherr Titus Labienus die ausschlaggebenden Operationen leitete,
ganz Gallien und Teile Westgermaniens, welche daraufhin jahrhundertelang - wenn auch stets
umkämpft - Teile des Imperium Romanum waren. Damit war auch der Rhein
zur Kulturgrenze zwischen den gallorömischen und den germanischen Völkern geworden.
Krieg gegen Pompeius
Während dieser militärischen Erfolge entwickelte sich die politische Lage in Rom eher zu
Ungunsten Caesars: Iulia, Tochter Caesars und Gattin des Widersachers Pompeius war
inzwischen gestorben und der Geldgeber Crassus in einer Schlacht gegen die Parther 53.
v.Chr. gefallen.
Als nach dem Ablauf der regulären Amtszeit der Senat von Caesar forderte, seine Soldaten
zu entlassen und sich dem Senat in Rom aufgrund von iuristischen Unregelmäßigkeiten zu
stellen, zugleich aber der Kontrahent Pompeius mit weitgehenden Vollmachten
ausgestattet wurde, war die Auseinandersetzung um die politische und militärische Macht
unumgänglich geworden. Caesar entließ keinen einzigen Soldaten, sondern überschritt
gegen römisches Recht den Grenzfluss Rubikon zwischen seiner Provinz und
dem Mutterland. Dies bedeutete den Anfang eines grausamen Bürgerkrieges,
der zum größten Teil in Afrika und Spanien gegen Pompeius und dessen Anhänger
geführt wurde. Pompeius aber unterlag schließlich in der entscheidenden Schlacht bei
Pharsalus in Thessalien (48). Als Caesar in Ägypten eintraf, ließ ihm Ptolemaios XIII.,
der König Ägyptens, den Kopf des Pompeius als Geschenk überreichen, worauf Caesar den
König kurzerhand absetzte, dessen Schwester Kleopatra in die Herrschaft
einsetzte, welche zugleich seine Geliebte war.
Diktatur und Leistungen
Im Jahre 49 lässt sich Caesar vom Prätor Lepidus zum Diktator ernennen (Verfassungsbruch
!) und für das Jahr 48 zum Konsul wählen. Nach Machtfestigung lässt sich Caesar seine
Diktatur auf Lebenszeit verlängern, setzt damit den Grundstein späterer Alleinherrschaft
und ordnet die Verhältnisse in Rom neu. Neben allen politischen Maßnahmen wie der
Förderung der Romanisierung der Provinzen, der großzügigen Verleihung des römischen
Bürgerrechts, der Unterstützung der Veteranen und der Förderung der Selbstverwaltung
reformiert der neue Machthaber den alten Kalender im nach ihm benannten Julianischen
Kalender, der mit wenigen Abänderungen bis heute gilt.
Verschwörung und Ermordung
Den Titel rex (König) lehnte Caesar zwar ab, doch es ist nicht
ausgeschlossen, dass er seine Alleinherrschaft nach dem Vorbild der hellenistischen
Monarchien erreichen wollte. Aber offenbar unterschätzte er die Machtbedürfnisse der
römischen Oberschicht, so dass er nicht merkte, dass sich eine ihm feindlich gesonnene
Gruppe führender Senatoren bildete. Caesar lockerte nicht nur die Regelungen des
Bürgerrechtes, sondern öffnete den römischen Senat, der bislang von
der stadtrömischen Aristokratie beherrscht worden war, für Italiker und
Provinzbewohner.
So kam es schließlich unter Führung des Cassius und des Brutus zur Verschwörung gegen
den Alleinherrscher, der offenbar nicht alle gesellschaftlichen Kräfte durch seine von
sich selbst behaupteten clementia (politische Milde) an sich binden
konnte.
Als Caesar einen Feldzug gegen die Parther, gegen welche Crassus gefallen war, unternehmen
wollte, wird er am 15. März 44 von konservativen Senatoren ermordet, um die alte libera
res publica, also die römische Republik, wiederherzustellen. Caesar starb, die
Republik ging durch die von Augustus eingeführte Herrschaftsform des Prinzipats
unwiederbringlich verloren.
Der Name Caesar lebt fort...
Der Name Caesars ist seit der Kaiserzeit unwiderruflich mit der Alleinherrschaft
verbunden:
da sich die späteren Kaiser "Caesares" nannten, ist das deutsche Wort Kaiser
direkt - wie auch die russische Bezeichnung "Zar" - vom
Namen C. Iulius Caesars abgeleitet.
Der Schriftsteller
Der Blick auf Caesars vielfältige literarische Tätigkeit wird durch diejenige Schrift,
die normalerweise im Lateinunterricht gelesen wird, eher verstellt als erhellt. Da sind
einerseits die Reste der Reden Caesars, welche Cicero, der Meister römischer Rhetorik, zu der Aussage brachten, dass
Caesar von allen Zeitgenossen das gewählteste Latein spreche (Brutus, 252).
Andererseits war da eine umfangreiche Briefsammlung, von der allerdings
nur Bruchstücke erhalten sind. Darin auch der berühmte Ausspruch "veni, vidi,
vici" ("ich kam, ich sah, ich siegte"). Von Caesar stammt auch ein nicht
erhaltenes sprachphilosophisches Werk namens "de analogia", das
er während seines Alpenübergangs geschrieben haben soll und in dem Caesar seine
Auffassung darlegt, dass eine Sprache von Regelhaftigkeit geprägt sein müsse. Selbst Dichtungen
sind von Caesar bezeugt, allerdings ist keine von ihnen auch nur bruchstückhaft erhalten.
Auch ein astronomisches Lehrwerk "de astris" soll er im
Zusammenhang mit seiner Kalenderreform verfasst und veröffentlicht haben.
Erhaltene Werke
Man kann also sehen: Caesar ist als römischer Autor wahrlich nicht einseitig. Und doch
wird Caesar zumeist auf die berühmten "Commentarii de bello Gallico"
und "de bello civili" reduziert.
1. Commentarii de bello Gallico (= bellum Gallicum)
Die 7 ersten Bücher des Gallischen Krieges beschreiben die Vorgänge der Jahre
58-52, wobei jedes Buch ein Jahr der militärischen Auseinandersetzung
beschreibt. Das 8. Buch stammt nicht von Caesar, sondern von dem Offizier Aulus
Hirtius. In dieser Schrift verteidigt der römische Statthalter sein immer
weitergehendes militärisches Vordringen in nichtrömische Gebiete gegen die Skepsis des
römischen Senats, der von der Notwendigkeit der umfangreichen Kriegsführung Caesars
überzeugt werden musste.
2. de bello civili (= bellum civile)
Diese Schrift über den Bürgerkrieg behandelt in 3 Büchern die Ereignisse vom Ausbruch
des Krieges im Jahre 49 bis zum Mord an Pompeius im folgenden Jahr. Caesar versucht hier,
die Schuld am Ausbruch des blutigen Krieges ganz auf seinen Gegner Pompeius zu schieben.
Caesars Stil einer vordergründig sachlich-militärischen Kriegsberichterstattung kann die
hintergründige Absicht einer argumentativen, ja agitativen politischen Schriftstellerei
nicht verhehlen.
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